Die Sprachförderung

Der Sprachvorkurs (SVK)

Die Paul-Schneider-Realschule plus und Fachoberschule Sohren-Büchenbeuren (PSS) bietet als Schulabschlüsse die Berufsreife (nach Klasse 9), den qualifizierten Sekundarabschluss I (nach Klasse 10) und die Fachhochschulreife (nach Klasse 12). Von den 360 Schülern liegt der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund bei 50 Prozent – hierzu zählen Spätaussiedler, EU-Bürger, Migranten aus sicheren Drittstaaten sowie Geflüchtete. Der integrative Unterricht zeichnet sich durch einen Sprachvorkurs aus, bei dem die Schüler in drei Intensivkursen Deutsch auf eine erfolgreiche Teilnahme am regulären Unterricht vorbereitet werden. Die PSS ist zudem eine rheinland-pfälzische Hospitationsschule mit den Schwerpunkten Teambildung und Sprachförderung. Das heißt, Lehrer und andere Schulen erlernen dort das „best-practice“-Modell für den Unterricht und die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund.
Die Sprachvorkurse sind bereits Anfang der 1990er Jahre durch den starken Zuzug von Spätaussiedlern entstanden. Sie halfen damals der Region, den massiven Zuzug von Neubürgern aus der ehemaligen Sowjetunion zu bewältigen. Bis 2015 war dieses Angebot einzigartig in der Hunsrückregion und wurde von vielen Schulen im Umfeld wahrgenommen.
Mit dem Leitgedanken „Integration setzt Kommunikationsfähigkeit voraus“ bietet die PSS Schülern mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen eine Intensivmaßnahme im bestehenden Sprachvorkurs an. Im Rahmen des sozialen Verständnisses von Integration spielen die Deutschkenntnisse von Geflüchteten eine Schlüsselrolle. Insbesondere die Beherrschung der Schriftsprache gewährleistet in unserer schriftkulturell geprägten Gesellschaft den Zugang dazu. Durch Fluchterlebnisse sind die Schüler traumatisiert. In ihrem Heimatland hatten sie wegen Kriegen, Bürgerkriegen, Krisen, Unruhen und Konflikten nicht die Chance, regelmäßig eine Schule zu besuchen. Im Sprachvorkurs werden demnach nicht nur Sprachprobleme gelöst, auch Themen der Grundbildung und des Schriftsystems sind an der Tagesordnung. Von der „Alphabetisierungsgruppe“ wechseln die Schüler mit steigendem schriftlichem und sprachlichem Niveau in die „Mittlere Gruppe“. Die „Fortgeschrittenen-Gruppe“ vermittelt Kompetenzen, um im Regelschulalltag anknüpfen zu können.

 

Potenzialentwicklung durch Lernen, Integration und Sprache (PoLIS)

Für fast volljährige Schüler ist der Übergang in eine Regellerngruppe innerhalb eines angemessenen Zeitfensters kaum zu leisten, da den meisten über eine unzureichende Grundbildung verfügen. Aus diesem Grund wurde die Projektklasse „Potenzialentwicklung durch Lernen, Integration und Sprache (PoLIS)“ ins Leben gerufen. Darunter versteht sich ein spezielles Programm, um einen berufsqualifizierten Abschluss im allgemeinbildenden Schulsystem zu erreichen.
Wie ist dieses Projekt konzipiert? Aus der jahrelangen Erfahrung mit der Sprachförderung erkannte die Schule, dass trotz Sprachvorkurs die Grundbildung/Allgemeinbildung und auch die erlernten Sprachkenntnisse nicht für das erfolgreiche Abschließen in der Schule und in der Ausbildung ausreichen.
Wichtig ist, Schule mit Unterrichtsfächern anzubieten, die auf das alltägliche und berufliche Leben in Deutschland vorbereiten. Nur so kann die Integration und die Entwicklung individueller Zukunftsperspektiven gelingen. Die Schule bietet den Schülern der PoLIS 42 Wochenstunden Unterricht. Zum Curriculum gehören Deutsch als Fremdsprache, Deutsch für den Beruf, Mathematik, Gesellschaftslehre, Naturwissenschaften, Englisch, Arbeitswelt, Bildende Kunst sowie Sport. Primär im Fokus steht das vertiefende Deutschlernen in allen Fächern, da dort die Jugendlichen immer noch die größten Defizite aufweisen.
Somit werden z.B. in Deutsch für den Beruf und im Fach Arbeitswelt berufspraktische Lernfelder aufgegriffen und thematisiert. Ergänzend zum Schulunterricht finden einmal im Halbjahr zweiwöchige Blockpraktika statt. Diese dienen zum Kennenlernen der verschiedenen Berufsarten, zur Vermittlung der spezifischen Anforderungen und eröffnen idealerweise eine Perspektive für eine Ausbildung. Das aktuell durchgeführte Blockpraktikum hat bewiesen, dass viele Betriebe und Unternehmen großes Interesse an einer Übernahme der PoLIS-Schüler in ein Ausbildungsverhältnis unter der Bedingung eines erfolgreichen Berufsreifeabschluss zeigen. Bei zahlreichen Gesprächen mit dem Lehrerteam der PoLIS wurde deutlich, dass sie diese Jugendlichen in ihrem Betrieb über die Maßen hinaus (individuelle Ausbildungsbegleitung) weiter unterstützen und somit das PoLIS-Konzept der Schule in ihrem Rahmen weiterführen.
Von montags bis donnerstags werden die Schüler bis zur neunten Stunde unterrichtet. An zwei Nachmittagen erhalten sie die Möglichkeit in den letzten beiden Stunden an den unterschiedlichsten Arbeitsgemeinschaften (Kunst, Hauswirtschaft, Werken, Sport) der Schule teilzunehmen. Ihre am Vormittag erworbenen sprachlichen sowie fachlichen Kompetenzen können sie in der Interkation mit den anderen Schülern und AG-Leitern der Schule anwenden.

Ein weiterer Aspekt der PoLIS ist, dass auf den individuellen Lernfortschritt des Einzelnen eingegangen wird. Schüler des Sprachvorkurses mit großen Lernfortschritten können während des laufenden Schuljahres in die bestehende PoLIS integriert werden. Ist aber ein Schüler mit den Anforderungen der PoLIS überfordert, besteht die Möglichkeit, wieder in den SVK zu wechseln, um Sicherheit in der Sprache, in den Lernanforderungen und für sich selbst zu erhalten. Damit soll einem möglichen Schulversagen entgegengewirkt werden. Das macht gerade bei primären Analphabeten Sinn, da sie nicht innerhalb von drei/vier Jahren das Niveau eines Berufsreifeabsolventen erreichen können.
Zum Ende des Schuljahres führt das Lehrerteam der PoLIS eine Zeugniskonferenz durch. Es wird darüber entschieden, wer die Fähigkeiten aufweist, den Berufsreifabschluss zu erlangen.
Die ausgewählten Schüler müssen dies anhand von schriftlichen Prüfungen in den Fächern Deutsch als Fremdsprache, Englisch, Mathematik, Gesellschaftslehre sowie Naturwissenschaften unter Beweis stellen. Die Bewertungen fließen in die Abschlussnoten mit ein. Schüler, die nicht für den Abschluss vorgesehen sind und diejenigen, die die Abschlussprüfungen nicht erfolgreich bestehen, erhalten die Chance, dieses Projekt ein zweites Jahr, eventuell sogar ein drittes Jahr in Angriff zu nehmen.
Die Schule ist überzeugt, dass mit diesem Projekt Schwierigkeiten im Schulalltag sowie im weiteren Ausbildungsleben minimiert werden. Nach dem erfolgreichen Durchlaufen der PoLIS haben die Schüler ein Rüstzeug von Strategien und Techniken an der Hand, welche sie später in ihren individuellen und beruflichen Zukunftsperspektiven in der Fremde, eigentlich in ihrer neuen Heimat Deutschland, erfolgreich anwenden können.