Joseph Nyamoga: ein junger Hunsrücker sang in Berlin vor den Vertretern des Bundesministeriums

 

Erfolgsgeschichte der „Der zweiten Chance“ Simmern in Kooperation mit der Paul-Schneider-Realschule plus und Fachoberschule Sohren-Büchenbeuren

Joseph Nyamoga ist Schüler der Paul-Schneider Realschule plus und Fachoberschule Sohren-Büchenbeuren (RS plus). Das Leben des Jugendlichen gestaltete sich bislang alles andere als leicht, weil der aus Tansania stammende Junge sich in Deutschland erst zurecht finden musste. Einen erfolgreichen Weg hat er erst an der Paul-Schneider-Schule gefunden. Seit einem Jahr besucht er das „Stärken vor Ort“-Projekt „Die zweite Chance“, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfounds mitfinanziert wird und in der Verbandsgemeinde Kirchberg vom Internationalen Bund e.V betreut wird. Als Joseph in Sohren in der „Keiner ohne Abschluss“-Klasse begonnen hat, entdeckte sein Betreuer Axel Menzer (IB) das musikalische und künstlerische Talent von Joseph. Gemeinsam mit den Koblenzer Hip Hop Workshops Oliver Metzle und David Schierenberg förderten sie Josephs musikalischen Weg. Joseph entwickelte sich im Schuljahr

2012/13 zu einen wahren Musterschüler, der mit Ehrgeiz und Selbstdisziplin seinen Abschluss der Berufsreife absolvieren wird.  Musikalisch begann er Anfang des Jahres noch Stücke wie die Lila Wolken von Materia zu covern. Er präsentierte sich live im Mainzer Bildungsministerium. Im Mai begann er seine ersten Stücke selbst zu schreiben, hier entstand auch die Idee zum Song „Die 2. Chance“.

Diesen präsentierte er beim Wettbewerb zum Aktionstag „Jugend stärken“ 2013 in Berlin.

Der Wettbewerb wurde unter der Schirmherrschaft von Kristina Schröder (CDU) und dem Bundesfamilienministerium ausgerichtet. Der Aktionstag begann am 11.06.2013 mit einem  Wettkampf. 33 Acts aus den Bereichen Akrobatik, Tanz und Gesang stellten sich einer ausgewählten Fachjury , die unter anderen von Sandy Mölling von den No Angels geleitet wurde. Unterstützt wurde Joseph in Berlin von seinem Betreuer Jan Herzog (IB), Kay Baumgarten (Konrektor in Sohren), Sandra Porz (IB) und seinen musikalischen Trainer David Schierenberg. Fünf weitere Schüler der KGS Kirchberg  und der RS plus Sohren unterstützten ihn in Berlin.

Von 2008 bis heute hat die Initiative „Stärken vor Ort“ an über 1000 Standorten insgesamt 685000 Jugendliche individuell beraten, unterstützt und begleitet. Seit 2008 leitet Axel Menzer gemeinsam mit seiner Kollegin Sandra Porz das Projekt „Die zweite Chance“ in Simmern für den Internationalen Bund e.V. Neben der sozialpädagogischen Unterstützung der Schülerinnen und Schüler steht die kulturelle Förderung der Teilnehmer im Vordergrund. 96 Jugendliche mit schulischen Problemen wurden seit 2008 in der Verbandsgemeinde Kirchberg  vom Projekt der „zweiten Chance“ erfolgreich betreut und auf ihren zukünftigen Lebensweg vorbereitet.

Das Team hinter "Jonny Black": Axel Menzer und Joseph Nyamoga (v.l.)

Das Team hinter „Jonny Black“: Axel Menzer und Joseph Nyamoga (v.l.)

Joseph Nyamoga als "Jonny Black" beim Song-Kontest des Projekts "Jugend stärken"

Joseph Nyamoga als „Jonny Black“ beim Song-Kontest des Projekts „Jugend stärken“

Ein Stolperstein für Julius Lenhardt

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Wohnhaus in Rhaunen – Auf der Pühl 9

Julius Lenhardt

*26. Januar 1881 in Schnappach (Saarland) †13. März 1945 in Rhaunen (Hunsrück) bekannt als „Der Uhrmacher von Rhaunen“, war katholischer Christ, geschieden, und wurde zum Opfer des Nazi-Terrors unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner in das Hunsrückdorf Rhaunen, am 18. März 1945.

Julius Lenhardt tauchte gegen Ende 1943 im Alter von 61 Jahren in Rhaunen auf und mietete sich zunächst im Haus „Am Wartenberg 10“ ein, einem Haus, aus dem zuvor die jüdische Familie Levy – Vater Max Levy, *24. Mai 1888, seine Frau Selma Levy geb. Liebmann, * 2. Dezember 1887 und deren taubstummer Sohn Myrtl, * 5. Januar 1920 – am 15. Oktober 1941 vertrieben und via Trier nach Lodz deportiert worden war; einem zweiten Sohn der Familie, Erik, *16. April 1922, war zuvor am 28. Februar 1938 die Auswanderung nach Israel ermöglicht worden.

Julius Lenhardt verließ das für damalige Verhältnisse komfortable Haus der Deportierten bald und tauschte es gegen seine neue Bleibe, einem selbst für damalige Verhältnisse nicht standesgemäßem Haus „Auf der Pühl 9“. Hier lebte er bis zu seinem gewaltsamen Tod in der Nacht vom 12. auf den 13. März 1945, wenige Tage vor Kriegsende in Rhaunen.

Julius Lenhardt, der „Uhrmacher von Rhaunen“, machte aus seiner Überzeugung keinen Hehl: Er sehnte das Ende des Krieges herbei, er beschimpfte in aller Öffentlichkeit Angehörige der SS, beschwor das nahende Ende des Krieges und die Ankunft der Amerikaner. Er bedrohte seit der Landung der Amerikaner auf dem Hunsrück und der herannahenden Geschützfeuer von Emmelshausen aus die Rhaunener SS-Leute: „Ich werde den Amerikanern alles sagen!“

Julius Lenhardt wurde am Tag des Einmarsches der Amerikaner von dem damals 11-jährigen Nachbarskind Lilly Gerhardt (heute verheiratete Brown, wohnhaft „Auf der Pühl 10“), mit einem Loch im Genick tot in seinem Blut liegend in seiner Stube aufgefunden. Der Jäger stellte einen Genickschuss fest. An demselben Tag verschwandt seine Leiche. Erst am 9. April 1945 wurde sein Tod durch den Beamten Tatsch standesamtlich beurkundet mit dem Vermerk: „Mögliche Todesursache: Blutsturz“.

Julius Lenhardt erhält als Opfer des Nazi-Terrors im September 2013 einen Stolperstein in Rhaunen.

Quellen:

Recherchen vor Ort in Rhaunen

Gespräche mit Frau Susanne Schäfer, die uns Photos und Dokumente aus eigenen Recherchen vorzeigte

Besuch bei Frau Rosel Dräger, Zeitzeugin

Schriftliche Aussagen der in den USA verheirateten Lilly Brown geb. Gerhardt, damals Nachbarskind des Julius Lenhardt, wohnhaft „Auf der Pühl 10“ (per e-mail)

Erinnerungen des Kurt Born, der nach den Gesprächen mit ihm verstorben ist.

Ortstermin mit Herrn Gernot Fritz und Herrn Arno Gräf, Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine“; Herr Gräf ist Zeitzeuge.

 

Projekt „Stolpersteine“

 

Projekt „Ein Stolperstein für Julius Lenhardt“

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Gesprächsrunde mit Herrn Fritz am 11. Juni 2013

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Geldübergabe für die Stolpersteine

Projektarbeit von Christopher Bremm, Julian Groß, Marlo Heck der LG 8 , Projektleitung: Leona Riemann
Es war keine leichte Aufgabe, die das kleine, engagierte Team der LG8 sich vorgenommen hatte: Die Schüler recherchierten zu Leben und Tod des Julius Lenhardt, bekannt geworden als „Der Uhrmacher von Rhaunen“.
Mit den historischen Umständen in Rhaunen während der Nazizeit machten die Schüler sich durch auszugsweise Lektüre des Buches von Hilde Weirich und Erich Stoll „Beiträge zur Geschichte der Juden in Rhaunen“ (Sonderdruck der Mitteilungen des Vereins für Heimat im Landkreis Birkenfeld und der Heimatfreunde Oberstein aus dem Jahre 1991) vertraut.
Jedoch: Julius Lenhardt war kein Jude, er war katholischer Christ. Er gehört nicht zu denjenigen, die vertrieben, verschleppt und deportiert worden sind. Das Besondere an ihm, das schließlich zu seinem Tod führte, war: Er hatte laut und ohne zu zögern gegen das Unrecht der Todesmaschinerie protestiert! Er war ein alter Mann, laut und unbequem und ohne jemals einer Waffe in der Hand. Nur ohne seinen Gehstock hat ihn nie jemand gesehen;  den brauchte er, denn er hinkte.
Seine persönlichen Daten, seine kurze Lebenszeit in Rhaunen und sein gewaltsamer Tod mussten von Zeitzeugen erfragt und wie Puzzleteile zusammengesetzt werden. Dazu waren viele Ortstermine nötig, und vor allem Besuche bei Zeitzeugen, Fragen an Nachbarn von damals und andere Menschen, die ihn noch kannten. Manche hatten nur eine schwache Erinnerung an ihn, andere wussten viel zu erzählen, vor allem an jenen Tag, den 13. März 1945, an dem er erschossen in seiner Stube gefunden wurde und auch sonst viel drunter und drüber ging in Rhaunen, erinnerten sich manche Rhaunener noch gut, allen voran Rosel Dräeger, 82 Jahre alt. Sie erinnerte sich an die Details dieses Tages als sei es gestern gewesen. Was die Schüler erfuhren, war so umfangreich und dramatisch, dass sie teilweise mehr mit den lang vertuschten kriminellen Umständen seines Todes als mit seinem Leben beschäftigt waren.
Jedoch: Das Vorbild, das wir unseren Schülern geben wollen, ist die Lebenshaltung eines einfachen Mannes, für den Menschenwürde keine Worthülse war. Die Aufrichtigkeit und Unbeugsamkeit dieses Mannes, der ohne Rücksicht auf soziale Nachteile seinen Protest lebte, Armut inkauf nahm, Außenseitertum und Einsamkeit nicht scheute: Das ist es, was wir unseren Schülern am Beispiel des Julius Lenhardt, um dessen Grab niemand weiß und der dennoch nicht vergessen sein soll, mit auf ihren Weg geben wollen.
In diesem Sinne war die Arbeit am Projekt „Ein Stolperstein für Julius Lenhardt“ mehr als nur eine historische Recherche.
An der Sammlung zur Finanzierung des Stolpersteins für Julius Lenhardt, der im kommenden Herbst verlegt werden soll, haben sich viele Schüler unserer Schule mit ihrem Taschengeld beteiligt. Mit den so zusammen gekommenen 120,00€ wird sein pflastersteingroßer Gedenkstein aus Messing vor seinem Haus von Gunter Demnig http://www.stolpersteine.eu/) eingelassen. Zum Dank erhielt unsere Schule am 11. Juni 2013 eine Patenschaftsurkunde von Herrn Gernot Fritz, Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine in Rhaunen“. Die am Projekt beteiligten Schüler erhielten eine Zusammenstellung jugendlicher Widerstandskämpfer des 3. Reiches.

 

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Projektgruppe vor dem neuen Schulschild

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Patenschaftsurkunde

Politische Bildung an der Fachoberschule

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Anja Bindges und Ludiwna Otto

Die Tatsache, dass eine Vielzahl von Schülern der Fachoberschule zur nächsten Bundestagswahl bereits volljährig sind und damit das aktive Wahlrecht ausüben dürfen, nahm Anja Bindges, Bundestagskandidatin der SPD im Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück, zum Anlass, Politikunterricht aus der Praxis anzubieten. Sozialkundelehrerin Ludwina Otto hatte die Idee ihrer Schülerin Ramona Klein umgesetzt und Frau Bindges zur Fachoberschule nach Sohren-Büchenbeuren eingeladen.

Bindges, die bereits mit 25 Jahren als Gemeinderatsmitglied politisch aktiv war, warb dafür, sich bereits als junger Mensch zu engagieren. „Als einzige Frau musste ich damals die alten Herren von meiner Arbeit überzeugen. Und das ist mir gelungen, indem ich inhaltlich sehr gut vorbereitet in die Sitzungen gegangen bin. Das hat Eindruck hinterlassen.“

Sehr gut vorbereitet war die Kandidatin der SPD auf die vielen Fragen der FOSler. Frau Bindges, die vor allem die Themen Soziale Gerechtigkeit, Demografische Entwicklung, Gesundheit und Pflege auf ihrem Programm hat, stand auch zu anderen interessanten Themen wie Arbeits- und Bildungspolitik Rede und Antwort.

Ein Schüler wollte zum Beispiel wissen, ob das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll. „Wenn wir für durchlässige Schulsysteme sorgen, erübrigt sich das Wiederholen einer Klasse“ so Bindges. „Insgesamt sollen in unserem Schulsystem alle die gleichen Chancen haben.“ Zur Frage nach der Abschaffung der Hauptschule meinte sie, dass es nichts helfe, das Etikett zu wechseln. Wichtig sei, dass jedes Kind nach seinen Möglichkeiten gefördert würde. Es solle nur das Kind zum Gymnasium gehen, das tatsächlich kann, damit die Schulzeit nicht zur Qual würde.

Ein Schüler fragte nach ihrer Meinung zur Fachoberschule. Bindges spricht von einem sehr guten System, in dem Chancen zur Orientierung gegeben werden. Auch eine Konkurrenz zur Berufsschule sieht sie nicht, da regionale Gegebenheiten bei der Errichtung der Fachoberschule berücksichtigt würden und somit ein möglichst wohnortnahes Angebot gemacht werden könne.

Brennend interessierten sich die Schüler natürlich auch für die Frage nach dem Führerschein mit 17. Als Mutter von fünf Kindern, hat Frau Bindges die Erfahrung des begleitenden Fahrens selbst gemacht und ist davon begeistert. Sie ist aber nicht grundsätzlich für die Fahrerlaubnis mit 17. Es solle aber über Ausnahmeregelungen für ländliche Gebiete nachgedacht werden.

Auch die Frage nach der Wahl mit 16, die zurzeit diskutiert wird, bewegte die Schülerschaft. Voraussetzung müsse nach Bindges sein, dass die politische Bildung in der Schule intensiviert wird. Ansonsten hat sie keine Bedenken. „Wer nicht politisch interessiert ist, geht auch nicht wählen. Daran wird auch die Herabsetzung des Wahlalters nichts ändern.“

Insgesamt bedauerte Frau Bindges in der sehr authentischen Diskussion, die zunehmende Politikverdrossenheit. Sie führt das auch darauf zurück, dass die Frustrationstoleranz in der Vergangenheit höher war und es mehr Themen gab, für die es sich zu kämpfen lohnte. Sie wünscht sich in der Politik mehr Menschen aus unterschiedlichen Schichten und Berufsgruppen, damit die Entscheidungen insgesamt volksnäher werden.

Zum Schluss ermutigte die Sozialdemokratin die jungen Leute sich politisch zu engagieren, ohne eine persönliche Kosten-/Nutzenanalyse zu erstellen.

C. Moser